Unterrichtsentwicklung

Heutzutage ist es nicht mehr nur wichtig, in der Schule Wissen zu lernen, sondern auch zu lernen, wie man sich neues Wissen so aneignet, dass man es langfristig speichern und mit anderem Wissen verknüpfen und anwenden kann. Die Schüler müssen also das Lernen lernen. Dazu benötigt man Fähigkeiten und Fertigkeiten aus verschiedenen Bereichen, Methoden, die das Lernen unterstützen.

In der Wittekindschule beginnen wir von Anfang an, gemeinsam mit den Schülern die für sie wichtigen Methoden zu erarbeiten. Diese werden in Trainingsspiralen erarbeitet und anschließend im Unterricht angewendet. Dazu wird zu jedem Thema ein Plakat in der Klasse aufgehängt, das die Regeln visualisiert, die in der Trainingsspirale von den Kindern zum Thema gefunden wurden.

Beispiele von Regelplakaten

Tipps für eine schöne Heftseite

Tipps für den Umgang mit dem Lineal

Für eine erfolgreiches Gespräch ist der Blickkontakt zum Gegenüber wichtig

 

Qualitätssteigerung des Unterrichts impliziert Qualifizierung der Lehrkräfte

Von 1997 bis 2002 nahm die Wittekindschule an dem Projekt Schule & Co teil, das in Zusammenarbeit des Ministeriums für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung mit der Bertelsmann Stiftung in Kreis Herford initiiert wurde.

Ausgangspunkt des Konzeptes zur Unterrichtsentwicklung war das von dem Schulreformer Dr. Heinz Klippert entworfene „Haus des Lernens“, welches im Rahmen eines neuen Projektes „Selbstständige Schule“ in einen eigenen Ansatz des „Lehrens und Lernens für die Zukunft“  konzeptionell überführt wurde.

Als Schwerpunkte für die Verbesserung der Qualität des Unterrichts kristallisierten sich folgende Aspekte heraus:

– Methodenkompetenz, verstanden als individuelles Lern- und Arbeitstechniken

– Kommunikative Kompetenz

– Teamkompetenz unter besonderer Berücksichtigung des Kooperativen Lernens

Selbstgesteuertes Lernen und Arbeiten (SegeL)

Erstmalig an unserer Schule durchlief das gesamte Kollegium gemeinsam und über einen Zeitraum von ca. 2 ½ Jahren eine Qualifizierungsmaßnahme, die analog der oben genannten Schwerpunktthemen 4 Trainingsbausteine im Umfang von jeweils 5 Tagen umfasste.  Ergänzende Fortbildungen mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, wie z.B. der Einsatz von Lernarrangements im Fachunterricht, rundeten die Fortbildungsreihe ab.

Jeder Fortbildungsbaustein war stellte eine Kombination theoretischer und praktischer Fortbildungselemente dar:

–        Vermittlung bzw. Erarbeitung theoretischen Hintergrundwissens, z.B. aus dem Bereich der Lernpsychologie und Neurodidaktik

–        Durchlaufen verschiedener Lernsequenzen seitens der Lehrkräfte in der Rolle der Lernenden und Reflexion der Lernerfahrungen auf der Metaebene sowie

–        gemeinsame Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht.

Lehrertraining – Schülertraining

Um die übergeordnete Vision des selbstgesteuerten Lernens und Arbeitens   auf ein tragfähiges Fundament zu stellen und gleichzeitig eine Überforderung der Schülerinnen und Schüler zu verhindern, musste dem grundlegenden Förderbedarf unserer Schülerschaft anlog zum Konzept der Lehrerfortbildung mit einem gezielten Sockeltraining begegnet werden. Dieses Sockeltraining umfasste

– erstens das Einüben elementarer Lern- und Arbeitstechniken, wie zum Beispiel die Verbesserung handwerklicher Grundtechniken (Methodentraining)

– zweitens den Aufbau grundlegender kommunikativer Fähigkeiten, also beispielsweise auch nonverbale Kommunikationselemente (Kommunikationstraining)

– und drittens die behutsame, systematische Kultivierung von Teamfähigkeit und und Kooperativem Lernen (Teamtraining)

– um nachfolgend bzw. begleitend, konsequent und effektiv mehr selbstgesteuertes Arbeiten und Lernen im Unterricht zu implementieren (SegeL).

© Klippert

Keine Unterrichtsentwicklung ohne Evaluation

Evaluation heißt:

– Erfahrungen sammeln

– Praxis reflektieren

– Ergebnisse bewerten

– Konsequenzen ziehen

und das nicht zufällig, sondern datengeschützt und so professionell wie möglich

Es versteht sich von selbst, dass die im Rahmen der Evaluation gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse für unser Kollegium eine umfassende Diskussions- und Arbeitsgrundlage zur kontinuierlichen Weiterentwicklung des Unterrichts und damit auch zur Fortschreibung des Schulprogramms darstellt.

   

METHODENKOMPETENZ/

INDIVIDUELLE LERN- UND ARBEITSTECHNIKEN

Mikromethoden

Beherrschung wichtiger Lern- und Arbeitstechniken im Sinne eines

methodisch-strategischen Lernens

Methoden der Informations-gewinnung und -erfassung

Methoden der Informationsverarbeitung und –aufbereitung

Methoden der Arbeits-, Zeit- und Lernplanung

– effizientes Lesen

– Lesen mit Sinnentnahme

– selektives Lesen, punktuelles
Lesen

– detailliertes Lesen

– strategisches Lesen

– Markieren

– Nachschlagen

 – Schreiben

– Notizen machen

– Spickzettel/Stichwortzettel
schreiben

– Kartei anlegen

–  Visualisieren

– Heftgestaltung

– Tabelle/Diagramm etc. gestalten

– Lernplakat erstellen

– Handwerkliche Grundtechniken

– Schneiden, Kleben, Lochen,

Abheften

– Umgang mit  Arbeitsmaterialien (z.B.
Lineal, Zirkel, Karteikasten, etc.)

 

– Verantwortung für Arbeitsutensilien

 

– Arbeitsplatzgestaltung, Ordnung am
Arbeitsplatz

 

– Auswendiglernen

 

© Angelika Röttger/Petra Schnelle

Kommunikative KOMPETENZ

Mikro – Elemente der Kommunikation

nonverbale Elemente

paraverbale Elemente

verbale Elemente

 

Körperhaltung

Gestik

Mimik

Blickkontakt

Nähe und Distanz

Atmung

 

 

 

Artikulation

Lautstärke

Sprechtempo

Sprechmelodie

Redefluss

Sprechrhythmus

Stimmmodulation

Sprechatmung

 

(aktives) Zuhören

freies Erzählen

Fragen – Antworten

Beschreiben

Erklären

Begründen

Diskutieren

Argumentieren

Vortragen/Präsentieren

© Angelika Röttger/Petra Schnelle

Teamentwicklung/Kooperatives Lernen

Mikro – Elemente des Kooperativen Lernens

charakterisiert durch wichtige persönliche und soziale Qualitäten  – einige Beispiele –

persönliche Elemente

soziale Elemente

mehr emotionale Aspekte

mehr kognitive Aspekte

Unterstützung geben und annehmen

Fremdwahrnehmung

Fremdreflexion

Umgang mit Konflikten

Regelverhalten

Wir-Identität

Kooperationsfähigkeit/Arbeitsteilung

– Partner- und Gruppenarbeit

Kommunikationskultur

Lernfreude

Einsatzbereitschaft

Offenheit

Spaß

Empathie

Frustrationstoleranz

Impulskontrolle

 

 

 

Selbstwahrnehmung

Selbstreflexion

Selbststeuerung

Ich-Identität

Verantwortungsbewusstsein

Selbstvertrauen

Arbeitsplanung

Aufgabenverteilung

 

© Angelika Röttger/Petra Schnelle